Raclette ohne "Racket": Ein Vereinsmeister-Titel mit Geschmäckle

- 13.01.2026
Heilbronn, 10. Januar 2026 – Um 9:45 Uhr starteten am vergangenen Samstag die Vereinsmeisterschaften der TSG Heilbronn. 37 Teilnehmende sorgten für eine volle Halle und eine großartige Atmosphäre, die auch noch bis nach dem Abbau um 20:00 Uhr bei Siegerehrung und Pizza anhielt. Es war ein Turnier voller Geselligkeit, das im Ergebnis überwiegend den Erwartungen entsprach, aber auch Raum für Überraschungen und beste Unterhaltung bot.
Die Gruppenphase und die Dominanz der Gesetzten
Um allen Spielstärken gerecht zu werden, wurde im Einzel zunächst in 9 Gruppen (A bis I) gespielt, wobei die Gruppenköpfe basierend auf den TTR-Werten gesetzt wurden („Snake-System“) Im Verlauf der Gruppenphase setzten sich alle neun Favouriten als Sieger durch.
Für das Unterhaltungs-Highlight sorgte das Familienduell in Gruppe B: Christian Klosek traf auf seinen Sohn, den späteren Halbfinalisten Adrian Rybinski. Die beiden Teilzeit-Entertainer machten aus ihrem Match eine kleine Show-Einlage, bei der der Spaß sichtlich im Vordergrund stand. Dass das Spiel über die volle Distanz von fünf Sätzen ging, passte perfekt zur Dramaturgie – am Ende setzte sich der Junior denkbar knapp im fünften Satz durch.
Erste Überraschungen im Achtelfinale
Enger wurde es dann in der Hauptrunde. Besonders knapp war es, als Robin Gligorov im Viertelfinale Andreas Bieg an den Rand einer Niederlage brachte. Erst im fünften Satz konnte Andreas den Sack zumachen und den Einzug ins Halbfinale sichern.
Auch Saumya Jain schnupperte an der Überraschung: Er führte gegen Patrick Jansohn bereits mit 2:1 Sätzen, bevor Patrick das Ruder noch herumreißen und im Entscheidungssatz gewinnen konnte.
Den längsten Satz des Tages lieferten sich allerdings Michael Heim und Daniel Seiter, wo die Entscheidung in einem Durchgang erst beim Stand von 19:17 fiel. Der Endstand von 3:2 zu Gunsten von Michael war eine der Überraschungen in der Endrunde.
Die Sensation mit dem fremden Racket
Schon im Vorfeld brodelte die Gerüchteküche: Jakub Boruvka, unser absoluter Spitzenspieler (TTR 2031), hatte sein Kommen angekündigt. Für viele Vereinsmitglieder war allein die Aussicht, einmal gegen diesen Ausnahmespieler antreten zu dürfen, Motivation genug. Doch die eigentliche Sensation ereignete sich vor dem ersten Aufschlag. Jakub, der eine Anreise aus Tschechien von über 500 Kilometern auf sich genommen hatte, stand plötzlich ohne das Wichtigste da: Er hatte seinen Schläger (engl. Racket) vergessen!
Mit einem geliehenen „Butterfly Gergely“-Holz musste er improvisieren – Was als Handicap begann, entwickelte sich zur Liebesgeschichte: Jakub kam mit dem Leihschläger so gut zurecht, dass er nun ernsthaft überlegt, dauerhaft auf dieses Material umzusteigen.
Er marschierte bis zum Finale ohne einen einzigen Satzverlust. Erst im Endspiel gelang es Marcel Seimen, ihm den ersten Satz abzunehmen. Am Ende gewann Jakub mit 3:1 und sicherte sich den Titel und erhielt den äußerst begehrten Hauptpreis: ein Raclette!!
Jakubs Triumph darf man getrost als einen „Sieg mit Geschmäckle“ bezeichnen – wenngleich in der wohl genussvollsten Interpretation des Wortes. Dass ausgerechnet der Akteur, der ohne eigenes Racket anreiste, schlussendlich mit einem Raclette abreiste, offenbart eine wunderbare Ironie des Schicksals. Dieser Erfolg hinterlässt somit keineswegs einen faden Beigeschmack, sondern vielmehr die Vorfreude auf käsige Gaumenfreude.
Der heimliche Dominator und das Spiel des Tages
Auch wenn er das Finale verlor, spielte Marcel Seimen ein Turnier der Superlative. Ein Blick auf die Zahlen verrät: Er war der „Dominator“ des Tages. Mit einer Balldifferenz von +141 Punkten, insgesamt acht glatten 3:0-Siegen (Einzel und Doppel) und zwei Platzierungen auf dem Treppchen, übertraf er in diesen Kategorien sogar den Sieger. Zudem war er mit 51 gespielten Sätzen der absolute „Marathon-Mann“ des Turniers.
Sein Meisterstück lieferte Marcel im Halbfinale gegen Adrian Rybinski ab. Ein ums andere Mal ging ein bewunderndes Raunen durch die Halle, wenn sich die Spieler in atemberaubenden Rallyes nichts schenkten. Am Ende setzte sich Marcel knapp in fünf Sätzen durch.
Ehrenrunde und Doppel
Wer in der Gruppenphase ausschied, bekam in der Ehrenrunde eine neue Chance. Wem die Nerven flatterten, der hätte sich eine Scheibe bei Niklas Tzusch abschneiden können: Er gewann im Turnierverlauf unglaubliche 11 Sätze mit nur zwei Punkten Vorsprung (Einzel und Doppel) – so viel Nervenstärke zeigte an diesem Tag kein anderer. Zudem bezwang er den über 120 TTR-Punkte stärkeren Christian Klosek.
Neben Niklas spielte sich auch besonders Vincent Maier in den Fokus. Er kämpfte sich bis ins Finale und musste sich nur gegen Timo Dietrich geschlagen geben, der mit einer beachtlichen Leistung und nur einem Satzverlust souverän durch die Endrunde marschierte.
Im Doppel wurde nach dem „Schweizer System“ gespielt – ein Modus, der dafür sorgt, dass man in jeder Runde auf Gegner mit ähnlicher Bilanz trifft. Zudem wurden die Doppel-Teams so eingeteilt, dass die Gesamtstärke über alle Doppel möglichst ausgeglichen sein sollte. Das Duo Livia Steinberg und Saumya Jain entpuppte sich hier als das „Team der Stunde“. Die beiden harmonierten prächtig und blieben in den Schweizer Runden sogar ungeschlagen. Auch wenn es am Ende „nur“ für Platz 3 reichte, ist dies gerade für die junge Nachwuchsspielerin Livia ein toller Erfolg. Den krönenden Abschluss bildete das Doppelfinale: Patrick Jansohn und Azamat Mukhtorov drehten einen Satzrückstand gegen Marcel Seimen und Jana Hankel und gewannen den Titel nervenstark im fünften Satz.
Fazit: Sport, Spannung und Schleckereien
Neben den sportlichen Dramen gab es abseits der Tische noch einen weiteren Gewinner: Das Kuchenbuffet. Dank der vielen fleißigen Spender war die Auswahl riesig und entwickelte sich zum heimlichen Highlight (zumindest in den Spielpausen) – selten wurden Niederlagen so süß getröstet und Siege so lecker gefeiert.
Ein herzliches Dankeschön geht an alle, die zum Gelingen beigetragen haben – sei es beim Aufbau, Abbau, Kaffee kochen oder eben beim Backen. Wir gratulieren allen Preisträgern und freuen uns schon jetzt auf die Neuauflage im nächsten Jahr.
Die Ergebnisse im Überblick
Einzel-Wettbewerb
- 🥇 1. Platz: Jakub Boruvka
- 🥈 2. Platz: Marcel Seimen
- 🥉 3. Platz: Andreas Bieg & Adrian Rybinski (Halbfinalisten)
Doppel-Wettbewerb
- 🥇 1. Platz: Patrick Jansohn / Azamat Mukhtorov
- 🥈 2. Platz: Marcel Seimen / Jana Hankel
- 🥉 3. Platz: Robin Gligorov / Julia Kimmerle & Saumya Jain / Livia Steinberg (Halbfinalisten)
Ehrenrunde (Einzel)
- 🥇 1. Platz: Timo Dietrich
- 🥈 2. Platz: Vincent Maier
- 🥉 3. Platz: Niklas Tzusch & Sebastian Kroll (Halbfinalisten)
Und zuletzt noch ein paar interessante Statistiken:
🗡️ Favoritenschreck (Upsets)
Anzahl der Siege gegen Gegner, die mindestens 50 TTR-Punkte mehr hatten.
- Niklas Tzusch: 1 Sieg (Diff: 127)
- Annika Scheuer: 1 Sieg (Diff: 110)
- Marcel Seimen: 1 Sieg (Diff: 93)
- Michael Heim: 1 Sieg (Diff: 80)
- Vincent Maier: 1 Sieg (Diff: 56)
🛡️ Nerven aus Stahl (Knappe Sätze)
Anzahl der gewonnenen Sätze mit genau 2 Punkten Vorsprung (z.B. 11:9, 12:10).
- Niklas Tzusch: 11 Sätze
- Marcel Seimen: 8 Sätze
- Azamat Mukhtorov: 8 Sätze
- Sebastian Kroll: 8 Sätze
- Patrick Jansohn: 7 Sätze
🏃 Marathon-Läufer (Meiste Sätze)
Gesamtanzahl der gespielten Sätze (Einzel + Doppel).
- Marcel Seimen: 51 Sätze
- Patrick Jansohn: 47 Sätze
- Jakub Boruvka: 46 Sätze
- Niklas Tzusch: 46 Sätze
- Azamat Mukhtorov: 45 Sätze
🎯 Dominatoren (Beste Balldifferenz)
Gewonnene Bälle minus verlorene Bälle über das gesamte Turnier.
- Marcel Seimen: +141 Punkte
- Jakub Boruvka: +118 Punkte
- Andreas Bieg: +90 Punkte
- Patrick Jansohn: +87 Punkte
- Robin Gligorov: +85 Punkte
🧹 Weiße Weste (Clean Sweeps)
Anzahl der 3:0 Siege (Einzel & Doppel).
- Marcel Seimen: 8 Siege
- Jakub Boruvka: 7 Siege
- Sebastian Kroll: 6 Siege
- Andreas Bieg: 5 Siege
- Robin Gligorov: 5 Siege




