Annika Müller: Mit dem Spitzensport-Stipendium zur TSG
- 18.08.2026
Annika Müller (21) studiert seit dem Wintersemester 2025 an der DHBW Heilbronn BWL-Dienstleistungsmanagement (Sportmanagement). Die Mittelstreckenläuferin der LG Rülzheim trainiert daher in der Leichtathletik-Abteilung der TSG Heilbronn. Dank des Spitzensport-Stipendiums gelingt ihr die Verbindung von Studium und Sport. Im Gespräch blickt sie auf ihre Zeit in den USA zurück und spricht über ihre Ziele.
Annika, willkommen bei der TSG Heilbronn. Wie hat es dich aus der Pfalz an den Neckar verschlagen?
Annika Müller: Da hat der Zufall mitgespielt. Ich habe ein Jahr in den USA studiert und bin im Mai 2025 nach Deutschland zurückgekehrt. Auf der Suche nach einer Hochschule für Sportmanagement bin ich auf Heilbronn aufmerksam
geworden und habe dadurch die Ausschreibung der DAV-Sektion Heilbronn für ein duales Studium gesehen. Über eine Bekannte erfuhr ich dann vom Spitzensport-Stipendium.
Was waren die nächsten Schritte?
Annika Müller: Ich habe mich mit dem Spitzensportbeauftragten Jan Willner zusammengesetzt, der mich bei der Bewerbung
fürs Stipendium unterstützt hat. Es war eine enorme Erleichterung, einen festen Ansprechpartner an meiner Seite zu haben. Nach der Zusage vom DAV kam kurz darauf die Nachricht, dass ich für das Stipendium aufgenommen wurde – was nicht selbstverständlich war, da ich nicht zur absoluten deutschen Spitze gehöre.
Wie profitierst du von dem Stipendium?
Annika Müller: Es hilft mir enorm dabei, Studium und Leistungssport unter einen Hut zu bekommen. Sollten z. B. Prüfungen in die Vorbereitungszeit für wichtige Wettkämpfe fallen, kann Jan Willner zwischen mir und den Professoren vermitteln, um flexible Lösungen zu finden. Zudem entlastet mich der monatliche finanzielle Zuschuss spürbar bei den Kosten für mein WG-Zimmer.
Und inzwischen bist du auch TSGMitglied…
Annika Müller: Ja, genau – auch dieser Kontakt kam über das Stipendium zustande. Als Mittelstreckenläuferin brauche ich
den Zugang zum Stadion. Jan hat den Kontakt zur Leichtathletik-Abteilung hergestellt, seither trainiere ich dienstags im Frankenstadion mit der Gruppe von Isabel Leibfried. Als ich das erste Mal dort war, meinte Isabel gleich: „Du
trainierst doch in Rülzheim bei Tanja Hellmann.“ Das war ein sympathischer Einstieg, und ich habe mich gefreut, dass sie meine Heimtrainerin kennt.
Du hast deine Zeit in den USA angesprochen. Wie kam es dazu?
Annika Müller: Bei einem Wettkampf 2022 hat mich eine Agentur angesprochen, die Sportler an US-Unis vermittelt. Eigentlich war es nie mein Plan, in die USA zu gehen, aber es hat mich doch gereizt. Nach meinem Abitur 2024 bin ich als „Student Athlete“ an die Missouri Western State University gewechselt.
Sport hat in den USA einen anderen Stellenwert. Beschreib mal, wie es dort abläuft.
Annika Müller: Studium und Sport bilden eine fest verschmolzene Einheit. Man wohnt auf dem Campus und trainiert zwischen den Kursen. Ich hatte morgens um 6 Uhr Training, ab 8 Uhr Unterricht, und um 16 Uhr folgte die zweite Einheit. Zwischen den Kursen war Zeit für Physio. Wenn es mit dem Trainer etwas abzuklären gab, musste ich nur eine Tür weitergehen und war schon in seinem Büro. Das sind extrem kurze Wege und professionelle Bedingungen. Es war eine coole Erfahrung, den Sport dort so intensiv zu leben.
Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt…
Annika Müller: Genau. Das extrem hohe Wettkampfpensum macht einem zu schaffen. Man kann sich kaum gezielt auf einen Wettkampf vorbereiten. Ich wusste, dass sich dadurch viele Athleten verletzen, weshalb ich präventiv zum Physio gegangen bin. Kurz vor dem Heimflug hat es mich dann aber doch mit einer Knöchelverletzung erwischt.
Konntest du dich sportlich verbessern?
Annika Müller: Ja, wobei sich das nicht sofort in allen Zeiten widergespiegelt hat. Aber ich habe die Basis für diese Saison gelegt. Bei den Süddeutschen Meisterschaften bin ich zuletzt die 5.000 Meter in 18:59,96 Minuten gelaufen – mein erstes Mal unter 19 Minuten. Ein Ziel, das ich mir schon in Amerika vorgenommen hatte.
Wie geht es sportlich für dich weiter?
Annika: Ende September richtet die DHBW Mosbach die Deutschen Hochschulmeisterschaften über zehn Kilometer aus. Darauf arbeite ich jetzt im Sommer gezielt hin.
INFO: Das Spitzensport-Stipendium
Seit 2024 unterstützt das Spitzensport-Stipendium Leistungssportler, die an den Heilbronner Hochschulen studieren. Die Stipendiaten erhalten individuelle organisatorische und finanzielle Unterstützung, etwa durch Tutorien zur Prüfungsvorbereitung und einen
monatlichen finanziellen Zuschuss. Darüber hinaus steht ihnen während des Studiums der Spitzensportbeauftragte der Heilbronner Hochschulen, Jan Willner, als direkter Ansprechpartner für umfassende organisatorische Unterstützung zur Verfügung.
Seit 2009 haben rund 350 Athletinnen und Athleten in Mannheim, Heidelberg und Heilbronn die Unterstützung in Anspruch genommen – darunter auch bekannte Namen wie Weitsprung-Olympiasiegerin Malaika Mihambo. An den Heilbronner Hochschulen werden mit Unterstützung der Dieter-Schwarz-Stiftung aktuell 23 Stipendiaten betreut.
Bewerben können sich Leistungssportler, die an einem Studium an DHBW Heilbronn, DHBW CAS, Hochschule Heilbronn und TUM Campus Heilbronn
Interesse haben. Ein Vergabegremium, das aus Vertretern von Hochschulen und Spitzensport besteht, prüft alle eingehenden Bewerbungen und entscheidet einmal im Jahr, welche Kandidaten in das Programm aufgenommen werden.
Die aktuelle Bewerbungsphase läuft noch bis zum 15. September 2026. Interessenten können sich über willner@spitzensport-stipendium.de bei Jan Willner melden.






