Hochsprung Heilbronn: 2700 Zuschauer und eine fantastische Stimmung
- 01.09.2026
Tomohiro Shinno aus Japan und Eleanor Patterson aus Australien sind die Sieger von Hochsprung Heilbronn 2006. Das weltweit beachtete und von der Leichtathletik-Abteilung der TSG ausgerichtete Event lockte an beiden Tagen zusammen rund 2700 Zuschauer auf den zur Hochsprung-Arena umgebauten Marktplatz.
War es die malerische Kulisse vor dem historischen Rathaus, das mit Olympiasiegern, Welt-, Kontinental- und nationalen Meistern bestückte Starterfeld, die sympathischen und nahbaren Athletinnen und Athleten, die fantastische Stimmung der jeweils ca. 1350 Zuschauer - oder etwa alles zusammen? Zuschauern, Sportlern und selbst den Veranstaltern vom Trägerverein Hochsprungmeeting Heilbronn sind nach dem Event jedenfalls die Superlative ausgegangen.
"Die Atmosphäre hier ist wahnsinnig und die Anlage ist einfach nur GEIL", strahlte beispielsweise Joana Hermann, die am Sonntag beim Wettbewerb der Frauen vom schreienden, klatschenden und stampfenden Publikum über 1,90 Meter getragen wurde und damit Saisonbestleistung gesprungen ist. "Ich bin noch nie bei einer so tollen Atmosphäre und gegen solche Topathletinnen gesprungen. Mein Puls war auf 200, ich war so extrem aufgeregt", sprudelte es aus der 20-Jährigen heraus.
Hatte sich die junge Westfälin über 1,90 Meter gefreut, so kniete Eleanor Patterson nach ihrem Siegsprung über 2,02 Meter ungläubig vor der Matte nieder und streckte die Arme in Richtung Himmel. "Ich bin sehr glücklich, dass ich heute meine persönliche Bestleistung von 2022 einstellen und gleichzeitig einen neuen Arenarekord aufstellen konnte. Vielen Dank an Yaroslawa und Lamara für den spannenden Wettkampf vor dieser tollen Kulisse", schwärmte die australische Ex-Weltmeisterin in Richtung der Zweiplatzierten Yaroslawa Mahuchikh aus der Ukraine (2,00 m) und der Dritten Lamara Distin aus Jamaika (1,98 m).
Vor allem die Präsenz von Yaroslawa Mahuchikh hatte das Publikum elektrisiert, ist die 24-Jährige doch nachweislich die beste Hochspringerin aller Zeiten. Weltrekordhalterin mit 2,10 m, Olympiasiegerin, Welt- und Europameisterin im Freien und in der Halle, Welt-Leichtathletin des Jahres - es gibt im Hochsprung wohl keinen Titel, den die Ukrainerin nicht gewonnen hat. Doch in Heilbronn konnte die Überfliegerin, die erst bei 1,93 Metern in den Wettbewerb einstieg, als die meisten anderen Springerinnen schon ausgeschieden waren, bei ihrem Debüt auf dem Markplatz keinen Sieg einfahren. Dennoch übersprang sie die magischen 2,00 Meter - exakt die Höhe, mit der sie 2024 in Paris Olympiasiegerin geworden war.
Etwas verhaltener als bei den Frauen waren am Samstag die Höhen bei den Männern, wobei der Wettbewerb nicht minder spannend und die Stimmung genauso überwältigend war. Gleich vier Springer meisterten die Höhe von 2,25 Metern, ehe bei 2,28 dann Schluss war. Der Japaner Tomohiro Shinno, der seine fünf Höhen allesamt im ersten Anlauf übersprungen hatte, durfte sich am Ende über den Siegerpokal freuen. Zweiter wurde Mateusz Kolodziejski aus Polen vor dem leicht angeschlagenen Olympiasieger Mutaz Barshim aus Qatar.
Für richtig Spannung hatte jedoch Erick Portillo gesorgt. Der Hallen-Vizeweltmeister, der die Arena beim Anlauf jeweils mit mitreißenden mexikanischen Klängen beschallte, verzichtete nach dem Ausscheiden von Shinno, Kolodziejski und Barshim auf seinen letzten Sprung über 2,28 Meter und ließ die Latte auf 2,32 Meter legen - eine Höhe, die nicht nur den Sieg, sondern auch einen mexikanischen Landesrekord bedeutet hätte. Auch wenn die Latte bei dieser Höhe fiel und der Mexikaner einen Platz auf dem Siegerpodest verlor, so gewann er doch die Herzen der Zuschauer und konnte sich als neuer Publikumsliebling von Hochsprung Heilbronn feiern lassen.
Das Internationale Hochsprungmeeting in Heilbronn war nicht nur eine einzelne Veranstaltung, sondern die letzte Station der von Mutaz Barshim ins Leben gerufenen "What Gravity"-Tour mit Wettbewerben in Doha (Qatar), Banská Bystrica (Slowakei), Monte Carlo (Monaco) und Heilbronn. Der Olympiasieger ließ es sich nicht nehmen, persönlich die Siegerpokale zu überreichen. Bei den Männern holte sich Mateusz Kolodziejski die Prämie von 7.500 Euro, bei den Frauen triumphierte Eleanor Patterson.
Hochsprung Heilbronn 2026 dürfte in der Stadt noch lange in Erinnerung bleiben - vor allem bei denjenigen, die bisher noch nie etwas mit der Disziplin Hochsprung zu tun hatten, zum ersten Mal mit dabei waren und sich von der ersten Minute an von der Begeisterung in der Arena haben anstecken lassen.
Von vielen Zuschauern war am Ende das zu hören, was den Veranstaltern wie Musik in den Ohren klang: "Im nächsten Jahr bin ich wieder mit dabei!"
Fotos: Giulietta Rhein





















